Warum die Arbeit an deinem Mindset allein sogar kontraproduktiv sein kann

"Deine Gedanken erschaffen deine Realität". Dieser Satz, diese Weisheit, dient vielen Menschen als Leitsatz, um sich ihr Leben nach ihren Wünschen zu "manifestieren". Und auch ich habe daran überhaupt nichts auszusetzen. Jedoch will ich hier einen Aspekt ergänzen, der aus meiner Sicht notwendig ist, damit dieses "Mantra" tatsächlich Wirkung zeigt.

 

Dazu eine kleine Übung für dich. 

Schließe deine Augen und identifiziere deine individuelle "Schwachstelle".

Es ist egal, ob diese rein körperlich (Bauch, Oberschenkel, Nasenhöcker, wasweißichnochwas) oder Glaubenssatz-geprägt (ichbinniegutgenug, ichbinimmerzuviel, Glückhabenimmernurdieanderen) daherkommt. 

Nimm jetzt dieses Thema und stelle dich vor einen Spiegel. Drehe deine Wahrnehmungen, Gefühle und Glaubenssätze um und sprich den Umkehrschluss zu dir selbst, also:

 

"Ich  bin schön"

"ich liebe meine Schenkel"

"Mein Körper ist perfekt"

"Ich bin glücklich"

"Ich bin die Beste"

"Ich kann alles schaffen, was ich mir vornehme"... usw...

 

Und? 

Ganz ehrlich. Du merkst, dass du dich hier gerade selbst ganz ordentlich ver*rschst.

Und weißt du was: Dein "System" merkt das auch. Und fühlt sich betrogen von dir. Der wissenschaftliche Ausdruck dafür ist "kognitive Dissonanz", was so viel bedeutet wie: Kopf (10 % deines "Selbst") sagt X, aber alle Zellen deines Körpers (90% deines "Selbst") sagen "Hä??? Das hat sich die letzten Jahrzehnte aber ganz anders angefühlt."

 

Nun kommst du (vor dem Spiegel) und willst diesem archaischen System sagen, dass es ab sofort etwas ändern soll? Dass ab jetzt eine andere Marschrichtung gilt ("Ab heute bin ich schön")? Du ahnst es: keine Chance. Nicht nur, dass dieses "verkörperte" System auf so eine oberflächliche Ansage überhaupt nicht reagiert, es kommt sogar noch schlimmer: Indem dein "Mind", dein Kopf, dein Geist deinem Körpersystem eine nicht verkörperte neue Realität aufzuzwängen versucht, schaffst du ordentlich Unordnung in deinem Inneren. Denn jetzt kämpfen ja quasi zwei konkurrierende Systeme deiner Selbst gegeneinander. Und du hoffst inständig darauf, dass das schwächere - und das ist definitiv dein "Mind" - den ganzen unterirdischen Teil des Eisbergs von seiner Sicht der Dinge überzeugt. 

 

Wenn du Glück hast, dann erlebst du wenigstens einen kleinen Kick, wenn du dir diese wunderbaren Dinge über dich selbst erzählst. Aber es wird nicht lange dauern und du stößt an eine Grenze, wo du alleine mit deinem Kopf nicht weiterkommst

Der Kopf allein bringt dich nicht ans Ziel

Die Erklärung dafür ist ganz simpel: Alle Erfahrungen deines bisherigen Lebens sind in deinen Zellen, im Gedächtnis deines Körpers und deines Nervensystems gespeichert und steuern von dort aus weitgehend unbewusst deine Taten und deine Erfahrungen. Dieses Körper-Nervensystem-Zellgedächtnis-System ist unendlich stark, machtvoll und zäh. Und es hat die Aufgabe, dich zu schützen - vor unbekanntem Terrain und Gefahr durch Neuerungen. Gleichzeitig setzt dein gesamtes Körpersystem auf die Aufrechterhaltung eingespielter Muster, denn das ist der clevere Energiesparmodus deines Körpers, der auf Langzeitleistung ausgelegt ist.

 

Du ahnst es also bereits: Dich selbst weiterhin innerlich zu kritisieren, aber tapfer das Morgenmantra "Ich bin schön" in den Spiegel zu proklamieren, ist nicht nur für die Katz, sondern kann dir sogar schaden, weil du dadurch die innere Dissonanz zwischen angestrebtem und tatsächlichem Zustand nur noch intensivierst. 

 

Und aus dem Blickwinkel von Feminine Embodiment kommt auch noch folgender Aspekt erschwerend hinzu: Besonders wir Frauen leiden bewusst - oder noch nicht bewusst - unter dieser hyper-rationalisierten Welt, der wir uns tagtäglich stellen (müssen). Ein Großteil unserer Lebensenergie fließt in die Bewältigung kognitiver Aufgaben und Herausforderungen. Unsere weibliche Essenz im Sein, im Fühlen und im "Bewohnen" unserer Körper kommt dabei absolut zu kurz. Und das spüren wir. Und dann überlegen wir, wie wir uns endlich wieder mehr "zuhause" fühlen könnten - und landen oftmals in der Mindset-Arbeit. Und was tut Mindset-Arbeit? Genau: sie INTENSIVIERT den Fokus auf den GEIST und verleugnet damit genau das, was wir als Frauen bei unserer Suche nach mehr Leben, Lebendigkeit, Verbundenheit und Authentizität brauchen: unsere Körperin und unsere weibliche Intuition.

 

Mindset-Arbeit birgt also die Gefahr, dass sie die Abspaltung von unserer Körperweisheit sogar noch befördert und unsere westlich-kapitalistische Lebensart "von den Schultern aufwärts" eher noch befeuert, anstatt uns in unsere Körper zu führen, uns zu erden und wieder in Einklang mit unserer wahren Natur zu bringen.

 

 

Um nun den Bogen zum Ausgangszitat zu schlagen: Ich bin überzeugt davon, dass unsere Gedanken Realität erschaffen. Leider meist die Realität, die wir nicht wollen: denn 80-90% der tagtäglich (unbewusst) gedachten Gedanken (und das sind immerhin ca. 60 Tausend) sind neutral-negativ bis destruktiv... Wenn du nun echt das Ruder rumreißen willst, dann braucht es definitiv mehr als halbherzig dahergemurmelte Mantren von Erfolg, Schönheit und Liebe, das sollte dir spätestens jetzt bewusst sein.

Aber wie können wir denn nun etwas verändern?

Ich habe die Erfahrung gemacht und bin davon überzeugt, dass der wichtigste Schritt über den Körper geht! Denn erst wenn du deinen gewünschten Zustand wirklich VERKÖRPERST, also mit all deinen Zellen in Besitz genommen und in deinem Herzen verankert hast, dann strahlt diese Kraft auch in den Bereich deiner Gedanken und darüber hinaus aus. Und dann erschaffen deine (emotional und körperlich genährten) Gedanken auch tatsächlich die Realität, die du erleben willst. 

 

Ich stelle mich und meine Arbeit in den Dienst von mehr Lebendigkeit und weniger Denke. Ich brenne für mutige Neuanfänge und radikale Selbstfürsorge. Ich spüre die Angst des Andersseins. Und ich liebe sie. Machst du mit?